Alles zurück auf Anfang?

Alles zurück auf Anfang?
Von Barbara Simon (Journal Berufsperspektiven, Mittelbayerische Zeitung vom 13.10.2016)

NEUANFANG Viele Menschen träumen davon, ihrer Berufung zu folgen. Oft heißt das aber auch, sich aus der Komfortzone zu verabschieden, weiß Florian Falkenberg, Coach am Regensburger Bildungszentrum bizo.

Um seiner wahren Berufung auf die Spur zu kommen, darf auch die gute Fee zurate gezogen werden:
„Was wäre, wenn ich meinen Traumberuf ausüben könnte? Wie würde ein Tag in meinem neuen Leben aussehen? Was bräuchte ich, um mein Ziel zu erreichen?“ Sogenannte Wunderfragen wie diese gehören zum Handwerkszeug von Management-Coach Florian Falkenberg. Er macht seinen Klienten Mut zum konstruktiven Träumen: „Um seine Sehnsüchte und Lebensträume zu erkennen und zu überprüfen, macht es Sinn, deren Wirklichkeit vorwegzunehmen.“ Am Bildungszentrum Regensburg (Bizo) begleitet Florian Falkenberg im Rahmen von Karrierecoaching unter anderem Menschen auf ihrem Weg zu einer neuen beruflichen Perspektive und bei deren Umsetzung. „Das kann doch nicht alles gewesen sein“ – diesen Satz hört der Coach oft auf die Frage nach der Motivation. Tendenz steigend. Dabei machen Akademiker und Führungskräfte mit hohem Ausbildungsniveau einen bedeutenden Anteil des Klientels am Regensburg Bizo aus.

In drei Schritten zum Neuanfang

Manchmal schleicht sich die Unzufriedenheit schon nach wenigen Berufsjahren ein, manchmal auch erst in der Mitte des Lebens: Langweile statt Herausforderung, mangelnde Wertschätzung am Arbeitsplatz oder auch ein ungelebter Lebenstraum. „Heutzutage sind sich die Menschen viel mehr ihrer Möglichkeiten bewusst, ihr Horizont ist größer: Das führt auch zu schnellerem Ausbrennen, wenn das Gefühl nicht mehr stimmt.“ Laut einer Gallup-Studie machen 85 Prozent der Berufstätigen Dienst nach Vorschrift, 15 Prozent haben innerlich längst gekündigt. Zugleich nehmen die psychischen Erkrankungen stark zu, wie eine Studie der AOK belegt. Also zurück auf Anfang? Nochmal ganz neu auf der Karriereleiter starten? Während das manchen Menschen scheinbar mühelos gelingt, hadern viele Wechselwillige mit den Risiken und offenen Fragen, die ein Neuanfang mit sich bringt. Zumal die gewünschte Richtung oft nicht klar und die eigene Berufung bestenfalls eine vage Ahnung ist. Um seinem Leben eine neue Richtung zu geben, empfiehlt Coach Florian Falkenberg, schrittweise vorzugehen: Beim ersten Schritt geht es um die Selbstreflexion über die eigenen
Ziele, Bedürfnisse und Talente, im zweiten Schritt um den ehrlichen Realitätscheck und erst im dritten um die Umsetzung. Ein Coaching könne in allen oder auch in einzelnen Phasen begleiten, den Prozess strukturieren und eventuell beschleunigen sowie die jeweiligen Fallstricke aufzeigen, so Falkenberg. Ein neutraler Begleiter könne helfen, ein klares Profil von sich zu gewinnen: „Viele Menschen bringen unbewusste Kindheitsmuster oder Glaubenssätze mit, die oft auch in die Berufswahl und das Berufsleben hineinspielen.“ Oft verstelle das den Blick oder stehe der Umsetzung der eigenen Wünsche im Weg: „Wir trauen uns den Erfolg nicht zu, wollen im Zweifelsfall vielleicht nicht gegen unseren Partner entscheiden oder gehen unbewusst den gleichen Weg wie unsere Eltern.“

Den eigenen Zielen auf die Spur kommen

Bei der Selbstreflexion geht es um Grundsatzfragen wie „Was ist mir wichtig?“, „Was sind meine Werte?“ und „Was macht
mich aus?“ Auch hypothetische Fragen helfen, Klarheit zu bekommen und Illusionen aufzudecken: Wie würde der Alltag im
neuen Leben verlaufen? Welche Aufgaben und Herausforderungen kommen auf mich zu? Wo sehe ich mich in drei Jahren? Um die Intuition anzuzapfen, empfiehlt es sich, einfach drauf loszuschreiben und die Antworten ohne Nachdenken zu notieren. Oft kämen so viele Ziele, Träume und Leidenschaften früherer Tage wieder zum Vorschein, so die Erfahrung von Florian Falkenberg: „Die Antwort, das Wissen um unsere Berufung liegt in uns. Es geht darum, sie wiederzuentdecken“, beschreibt Falkenberg die Innenschau: „Mein Anspruch ist ein kleiner Aha-Moment in jeder Sitzung.“ Doch was, wenn meine Träume sich als Luftschloss entpuppen sollten? Wie lässt sich verhindern, am Ende mit leeren Händen dazustehen? „Manchmal sind auch Umwege nötig“, plädiert der Coach für ein Quäntchen Risikobereitschaft. Dennoch sollte der Neustart gut organisiert sein: Ein Muss ist ein gewisses finanzielles Polster, um die ersten Jahre zu überbrücken und Existenzängste zu vermeiden. Auch die Prioritäten sollten ehrlich geprüft werden: Bin ich bereit, auf Sicherheit zu verzichten? Kann und will ich über längere Zeit auch finanzielle Einbußen hinnehmen? Habe ich Mut zur Veränderung? „Manchmal stellt sich heraus, dass der goldene Käfig die bessere Option ist.“ Ein weiterer wichtiger Punkt ist, mehrere Wege in Betracht zu ziehen und sich so eine Rückfallprophylaxe zu schaffen. Und wie wird aus dem Plan Realität? Das Wichtigste bei der Umsetzung ist laut Florian Falkenberg die Devise: „Dranbleiben!“ – auch bei Rückschlägen und Stillständen. Wer die einzelnen Etappen so überschaubar wie möglich gestaltet und auch Hindernisse einrechnet, hat gute Chancen, seinem Ziel stetig näherzukommen: „Es muss auch nicht unbedingt der große Einschnitt sein, manchmal lohnen sich auch Minischritte.“

Mehr Infos zum (Karriere-)Coaching auf www.falkenberg-seminare.de oder www.bizo-regensburg.de

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